Marktumfeld

Man kann den Bausektor als ein an sich nachhaltiges Gewerbe bezeichnen, da die Bauwerke für die Nutzung über einen sehr langen Zeitraum erstellt werden. Der Schluss liegt daher nahe, dass er auch für langfristig ausgerichtete Investorengruppen von Interesse ist, wird doch die grundsätzliche Nachfrage nach seinen Leistungen nicht versiegen. Man muss jedoch nicht Jahrhunderte im Blick haben, um dem Bausektor etwas abzugewinnen – die nachfolgenden drei Trends machen den Bausektor auch bereits für die laufende Dekade attraktiv:
Trend 1 – Urbanisierung: Bis zum Jahr 2050 werden 66 % der globalen Bevölkerung in Städten leben – eine Erhöhung der städtischen Einwohnerzahl um 2,5 Mrd. Dies bringt einen höheren Bedarf an Infrastruktur mit sich. Ein Beispiel: In unserem Heimatmarkt Deutschland sind laut dem Bericht der Daehre-Kommission aus dem Jahr 2012 über 15 Jahre mehr als € 2,6 Mrd. an zusätzlichen Investitionen pro Jahr für die Sanierung und die Erweiterung des Verkehrsnetzes notwendig.

Trend 2 – Energieeffizienz: Die Europäische Union will bis zum Jahr 2030 die Treibhausgasemissionen gegenüber dem Jahr 1990 um 40 % verringern, bis 2050 ist eine Reduktion um 80–95 % vorgesehen. Nicht zuletzt deshalb verlangt die Auftraggeberschaft zunehmend eine Umstellung auch bestehender Bauwerke auf eine höhere Energieeffizienz und einen emissionsärmeren Betrieb.

Trend 3 – Finanzierungsumfeld: Historisch niedrige Zinsen und ein sehr volatiles Finanzumfeld machen Immobilien zu einer attraktiven Investition für manche Investorengruppen – wir nehmen dies derzeit sehr stark in unserem größten Markt Deutschland wahr. Zudem erleichtern niedrige Zinsen die Finanzierung von Projektentwicklungen.

Diese drei großen Trends bestimmen also die Attraktivität des Sektors. Doch warum erhält ein bestimmtes Bauunternehmen einen Auftrag? Worauf achtet die Auftraggeberschaft?

Hier gilt es, zwischen dem öffentlichen und dem privaten Bereich zu unterscheiden: Während für die öffentliche Auftraggeberschaft immer noch der Preis zum größten Teil das ausschlaggebende Kriterium ist, sucht die private Auftraggeberschaft oft das beste Angebot – und dies muss nicht notwendigerweise das niedrigste sein. So werden z. B. die Kosten über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, also auch die des Betriebs, bzw. spielen zusätzliche Kriterien eine Rolle: Da jedes Bauwerk ein Unikat ist, muss Vertrauen in die Fähigkeiten des Bauunternehmens bestehen. Dieses Vertrauen wird u. a. durch Referenzen hergestellt. Bei Ausschreibungen werden wir daher oft nach vergleichbaren Projekten gefragt, die wir in der Vergangenheit erfolgreich realisiert haben. Ebenso wichtig sind die Erfahrung und das Know-how des Personals des anbietenden Bauunternehmens sowie die technischen Charakteristika seines Angebots bzw. die innovativen Lösungen, die der Auftraggeberschaft Zeit und Geld ersparen.

In einigen Teilen des öffentlichen Bereichs beginnt sich das Bestbieterprinzip durchzusetzen. Demnach soll bei öffentlichen Vergaben nicht automatisch das Unternehmen mit dem billigsten Angebot den Zuschlag erhalten, sondern es sollen auch soziale, umweltbezogene und nachhaltige Kriterien zum Tragen kommen. Auch der STRABAG-Konzern unterstützt diese Forderung etwa von Gewerkschaften. Denn das Bestbieterprinzip kommt die Bevölkerung und die Volkswirtschaft in Gesamtbetrachtung schließlich günstiger als die Auswahl des nur auf den ersten Blick billigsten Angebots: Zum einen sichert es lokale Arbeitsplätze. Zum anderen müssen auch die Kosten eines Bauwerks nach der Bauphase betrachtet werden – die besten Angebote beziehen diese in die Kalkulation mit ein, sodass die Kosten des Bauwerks über seinen gesamten Lebenszyklus minimiert werden.

Nachdem jedes Bauwerk für sich einzigartig ist, lassen sich im Baugeschäft im Gegensatz zu Industrien mit standardisierten Produkten keine Sensitivitätsanalysen durchführen, in denen die Reaktion der Kennzahlen eines Unternehmens auf die Veränderung eines dominanten Produktionsfaktors dargestellt wird. Unser Geschäft bestimmt nicht nur ein einzelner Treiber. Vielmehr werden die Margen von mehreren Faktoren beeinflusst. Zu berücksichtigen sind unternehmensinterne Gegebenheiten, z. B. das Risikomanagementsystem oder die Qualität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowie externe Treiber wie das Wirtschaftswachstum (BIP), demografische Tendenzen – sie wirken sich ebenso auf die Verfügbarkeit qualifizierten Personals aus wie auf den Bedarf an Infrastruktur –, die Höhe der öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur – ein in den Bau investierter Euro zieht Nachfrage in anderen Sektoren

nach sich, sodass sich die positiven Auswirkungen auf die Produktion und die Beschäftigung multiplizieren – und das Finanzierungsumfeld unserer Auftraggeberschaft.



Auf der Website veröffentlicht am 16.07.2012 – Zuletzt publiziert am 01.06.2017 11:52:26
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