Marktumfeld

Bauwerke werden mit dem Ziel erstellt, für eine sehr lange Nutzungsdauer zu Verfügung zu stehen. Dies verpflichtet zu einem vorausschauenden Planen, Denken und Handeln. Der Schluss liegt daher nahe, dass der Bausektor auch für langfristig ausgerichtete Investorengruppen von Interesse ist, wird doch die grundsätzliche Nach- frage nach seinen Leistungen nicht versiegen. Man muss jedoch nicht Jahrhunderte im Blick haben, um dem Bausektor etwas abzugewinnen – die nachfolgenden vier Trends machen ihn auch bereits für die laufende Dekade attraktiv:
Trend 1 – Urbanisierung: Bis zum Jahr 2050 werden laut den Vereinten Nationen (UN) 68 % der globalen Bevölkerung in Städten leben – eine Erhöhung der städtischen Einwohnerzahl um 2,5 Mrd. Dies bringt einen höheren Bedarf an Infrastruktur mit sich. Ein Beispiel: Basierend auf einem vom Bund in Auftrag gegebenen Gutachten wird der Nachholbedarf, der sich aus unterlassenen Erhaltungsmaßnahmen ergibt, allein hinsichtlich der Bahninfrastruktur unseres Heimatmarkts Deutschlands 2019 mit knapp € 50 Mrd. beziffert. Und nach Berechnungen von McKinsey&Company von Februar 2018 braucht es einen Anstieg des jährlichen Bauvolumens in Deutschland um ca. € 40 Mrd., damit das Land seine politischen Ziele für Infrastruktur und Wohnungsbau erreicht.

Trend 2 – Energieeffizienz: Die Europäische Union will bis zum Jahr 2030 die Treibhausgasemissionen gegenüber dem Jahr 1990 um 40 % verringern. Nicht zuletzt deshalb verlangt die Auftraggeberschaft zunehmend eine Umstellung auch bestehender Bauwerke auf eine höhere Energieeffizienz und einen emissionsärmeren Betrieb. Schließlich ist der Internationalen Energieagentur zufolge der Bausektor für ca. 40 % der direkten und indirekten Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Trend 3 – Finanzierungsumfeld: Niedrige Zinsen machen Immobilien zu einer attraktiven Investition für manche Investorengruppen – wir nehmen dies immer noch stark etwa in unserem größten Markt Deutschland wahr. Zudem erleichtern niedrige Zinsen die Finanzierung von Projektentwicklungen. Allerdings sind mittlerweile lokale Überhitzungserscheinungen bei Grundstücks- und Mietpreisen nicht mehr auszuschließen.

Trend 4 – Digitalisierung: Im Unterschied zu Branchen wie der Automobilindustrie oder auch der Konsumgüterindustrie ist der Digitalisierungsgrad des Bausektors noch gering. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Digitalisierung und Vernetzung der Daten, die während des Lebenszyklus eines Bauwerks anfallen, Vorteile für die unterschiedlichsten an dem Projekt Beteiligten bringt – sei es beim Planen, Bauen oder Betreiben des Bauwerks. Zunehmend digitale Prozesse lassen daher deutliche Produktivitätszuwächse in der Baubranche erwarten.

Diese vier großen Trends bestimmen also die Attraktivität des Sektors. Doch warum erhält ein bestimmtes Bauunternehmen einen Auftrag? Worauf achtet die Auftraggeberschaft?

Hier gilt es, zwischen dem öffentlichen und dem privaten Bereich zu unterscheiden: Während für die öffentliche Auftraggeberseite immer noch der Preis zum größten Teil das ausschlaggebende Kriterium ist, sucht die private oft das beste Angebot – und dies muss nicht notwendigerweise das niedrigste sein. So werden z. B. die Kosten über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, also auch die des Betriebs, bzw. spielen zusätzliche Kriterien eine Rolle: Da jedes Bauwerk ein Unikat ist, muss Vertrauen in die Fähigkeiten des Bauunternehmens bestehen. Dieses Vertrauen wird u. a. durch Referenzen hergestellt. Bei Ausschreibungen werden wir daher oft nach vergleichbaren Projekten gefragt, die wir in der Vergangenheit erfolgreich realisiert haben. Ebenso wichtig sind die Erfahrung und das Know-how des Personals des anbietenden Bauunternehmens, die technischen Charakteristika seines Angebots bzw. die innovativen Lösungen, die der Auftraggeberschaft Zeit und Geld ersparen, sowie professionelle und nachvollziehbare Prozesse.

In einigen Teilen des öffentlichen Bereichs beginnt das Bestbieterprinzip Fuß zu fassen. Demnach soll bei öffentlichen Vergaben nicht automatisch das Unternehmen mit dem billigsten Angebot den Zuschlag erhalten, sondern es sollen auch soziale, umweltbezogene und nachhaltige Kriterien zum Tragen kommen. Auch der STRABAG-Konzern unterstützt diese Forderung etwa von Gewerkschaften. Denn das Bestbieterprinzip kommt die Bevölkerung und die Volkswirtschaft in Gesamtbetrachtung letztlich günstiger als die Auswahl des nur auf den ersten Blick billigsten Angebots: Zum einen sichert es lokale Arbeitsplätze. Zum anderen müssen auch die Kosten eines Bauwerks nach der Bauphase betrachtet werden – die besten Angebote beziehen diese in die Kalkulation mit ein, sodass die Kosten des Bauwerks über seinen gesamten Lebenszyklus minimiert werden.

Nachdem jedes Bauwerk für sich einzigartig ist, lassen sich im Baugeschäft im Gegensatz zu Industrien mit standardisierten Produkten keine Sensitivitätsanalysen durchführen, in denen die Reaktion der Kennzahlen eines Unternehmens auf die Veränderung eines dominanten Produktionsfaktors dargestellt wird. Unser Geschäft bestimmt nicht nur ein einzelner Treiber. Vielmehr werden die Margen von mehreren Faktoren beeinflusst. Zu berücksichtigen sind unternehmensinterne Gegebenheiten, z. B. das Risikomanagementsystem oder die Qualität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowie externe Treiber wie das Wirtschaftswachstum (BIP), demografische Tendenzen – sie wirken sich ebenso auf die Verfügbarkeit qualifizierten Personals aus wie auf den Bedarf an Infrastruktur –, die Höhe der öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur – ein in den Bau investierter Euro zieht Nachfrage in anderen Sektoren nach sich, sodass sich die positiven Auswirkungen auf die Produktion und die Beschäftigung multiplizieren – und das Finanzierungsumfeld unserer Auftraggeberschaft.



Auf der Website veröffentlicht am 18.05.2020 – Zuletzt publiziert am 18.05.2020 13:53:16
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