Energie und Emissionen

Dekarbonisierung bei STRABAG

Rund 34 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs und fast 40 Prozent der damit verbundenen Treibhausgasemissionen entfallen auf den Gebäudesektor – sowohl in der Errichtungs- als auch in der Nutzungsphase. Neben den von uns direkt erzeugten Emissionen haben wir an uns selbst den Anspruch gestellt, auch die CO2e-Emissionen entlang unserer vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette zu verringern.

Unsere Emissionen

Der STRABAG CO2e-Fußabdruck, auch Corporate Carbon Footprint genannt, setzt sich aus Emissionen aus diversen Bereichen zusammen. Davon sind in etwa 10 Prozent direkte und energiebezogene (Scope 1- und 2-) Emissionen. Um die 90 Prozent unserer Emissionen entstehen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette (Scope 3-Emissionen).  
 
Uns ist bewusst, dass speziell im Bereich der Scope 3-Emissionen eine große Abhängigkeit von externen Faktoren besteht, die nicht nur in unserer Hand liegen, wie den Dekarbonisierungszielen unserer Lieferant:innen und Auftraggebenden sowie den technologischen Entwicklungen und Marktentwicklungen im Bereich emissionsarmer Baustoffe. Aufgrund dieser Unsicherheiten ist es unser Anspruch transparent darzulegen, welche Reduktionspotenziale aktuell erwartbar sind.

Klimaziele von STRABAG

Kurzfristziel bis 2030

Wir sind davon überzeugt, dass glaubwürdige Klimaziele, wissenschaftsbasiert, nach einheitlichen Standards und extern validiert sein müssen. Die Science Based Targets initative (SBTi) hat die kurzfristigen Klimaziele von STRABAG bestätigt. Das heißt: STRABAG hat sich zum Ziel gesetzt, ihre absoluten Scope 1- und Scope 2-Emissionen bis 2030 um 42 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2023 zu senken*. Zudem sollen die Scope 3-Emissionen von STRABAG, die aus dem Einkauf von Waren und Dienstleistungen sowie der Nutzung verkaufter Produkte resultieren, im gleichen Zeitraum um 25 Prozent gesenkt werden.

*Die Zielgrenzen umfassen landbezogene Emissionen und den Abbau durch biogene Quellen.

Ziel bis 2040

Wir verfolgen konsequent unseren Reduktionkurs auch über 2030 hinaus weiter. Unser vom STRABAG SE-Vorstand freigegebenes kontinuierliches Ziel ist es, bis 2040 Klimaneutralität im eigenen Geschäftsbetrieb zu erreichen.

Für die Emissionsreduktion entlang der Wertschöpfungskette treffen wir über 2030 hinaus derzeit keine konkrete Zielaussage. Die Dekarboniserung unserer Wertschöpfungskette liegt zu großen Teilen nicht in unserem eigenen Entscheidungsbereich, daher wir wollen nichts versprechen, was sich aktuell nicht belegen lässt Hierzu zählt zum Beispiel die ausreichende Verfügbarkeit von Near-Zero-Baustoffen und die langfristige Marktnachfrage nach CO2-reduzierten Bauwerken. Für uns steht fest: Wir arbeiten daran, die bestehenden Potenziale zu erhöhen und möglichst früh zu erschließen.
 
Die Entwicklung unserer Ziele wird einmal jährlich überprüft und an den Vorstand und den Aufsichtsrat der STRABAG SE berichtet. Bei Bedarf wird es an neue technologische, regulatorische und marktseitige Rahmenbedingungen angepasst.

Was wir unter Klimaneutralität verstehen

Wir verstehen Klimaneutralität im eigenen Geschäftsbetrieb als das Bestreben, Treibhausgasemissionen so weit wie möglich zu senken (vgl. UNFCCC 2021). Trotz konsequenter Umsetzung der geplanten Maßnahmen zur Emissionsminderung gehen wir davon aus, dass ein Anteil von bis zu 10 % schwer vermeidbarer Restemissionen in Scope 1&2 verbleiben wird. Unser Ziel ist es, diese Restemissionen durch hochwertige und wissenschaftlich fundierte Maßnahmen zur dauerhaften Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre (Carbon Removals) zu neutralisieren (und damit Klimaneutralität im eigenen Geschäftsbetrieb zu erreichen.)

*A Beginner’s Guide to Climate Neutrality | UNFCCC

So erreichen wir unsere Klimaziele: Unser Transformationsplan im Detail

Um unsere Klimaziele zu erreichen hat der Vorstand der STRABAG SE Reduktionspfade zur Dekarbonisierung verabschiedet. Diese sind Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie und zeigen die CO2e-Einsparpotenziale für Scope 1- und 2-Emissionen sowie unserer Scope 3-Emissionen.

Reduktion unserer direkten & energiebezogenen Emissionen (Scope 1 & 2)

Zur Umsetzung der Reduktionsziele unserer Scope 1- und 2-Emissionen, haben wir sieben wesentliche Handlungsfelder identifiziert, welche den größten Anteil an unseren CO2e-Emissionen ausmachen und somit die wesentlichen Hebel zur Emissionsreduktion darstellen.

Die Emissionsminderungen ergeben sich insbesondere aus der Substitution fossiler Energieträger durch erneuerbare oder emissionsärmere Alternativen sowie aus Effizienzsteigerungen durch den Einsatz neuer Technologien (z.B. Elektrifizierung).

Handlungsfelder zur Emissionsreduktion

Für jedes der sieben Handlungsfelder wurde ein eigenes Energiezielbild entwickelt, welches auf Annahmen zu technologischen Entwicklungen sowie zukünftigen Verfügbarkeiten von Energieträgern und deren Infrastruktur basiert. Diese Annahmen wurden vorwiegend aus Studien, Marktszenarien sowie internen Expert:inneneinschätzungen abgeleitet.

  • Gebäude: Konzerngenutzte Verwaltungsstandorte (Eigen und Fremd) können bis 2040 ohne fossile Energieträger betrieben werden. Wesentliche Voraussetzung dafür ist die weitestgehende Umstellung auf strombasierte Heiz- und Kühlsysteme. Für einzelne Anwendungen ist ergänzend der Einsatz von Energieträgern auf Biomassebasis vorgesehen.
  • PKW & Nutzfahrzeuge: Bis 2030 soll knapp die Hälfte der Flotte elektrifiziert werden und bis 2040 wird eine weitgehende Elektrifizierung angestrebt. Für Anwendungen die voraussichtlich nicht elektrifizierbar sind, wird der Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe als Option berücksichtigt.  
  • Baustrom & sonstige Energie Bau: Bis 2040 wird eine flächendeckende strombasierte Energieversorgung unserer Baustellen angestrebt, wobei bereits 2030 zwei Drittel der Kleingeräte elektrifiziert sein sollen.
  • Baumaschinen & LKW: Es wird angestrebt bis 2030 rund zwei Drittel der Baumaschinen durch den Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe, insbesondere HVO100, sowie durch erste Elektrifizierungsmaßnahmen, zu dekarbonisieren. Bis 2040 wird von einer deutlichen Erhöhung des Elektrifizierungsgrades ausgegangen. Nach heutigem Planungsstand gehen wir davon aus, dass bis dahin rund die Hälfte elektrisch betrieben werden kann. Für Anwendungen, die voraussichtlich nicht elektrifizierbar sind, werden erneuerbare Kraftstoffe und alternative Technologien wie zum Beispiel Wasserstoff als Dekarbonisierungsoption berücksichtigt.
  • Asphaltmischanlagen: Für rund zwei Drittel unserer Asphaltmischanlagen wird bis 2040 eine Umstellung auf CO₂e-ärmere bzw. erneuerbare Energieträger angestrebt. Die aktuelle Modellierung basiert auf einem Technologiemix aus Biomasse, HVO100, Strom und Wasserstoff. Für etwa ein Drittel der Anlagen gehen wir nach heutigem Kenntnisstand auch 2040 weiterhin von fossilen Energieträgern aus.
  • Stein- & Kieswerke: Die bereits heute überwiegend elektrifizierten Stein- und Kieswerke sollen bis 2040 weitgehend auf eine Stromversorgung aus erneuerbaren Energiequellen umgestellt werden.
  • Betonwerke & sonstige Produktion: Für unsere Betonwerke und sonstige Produktionsanlagen wird bis 2040 eine schrittweise Umstellung auf erneuerbare Energieträger angestrebt. Die aktuelle Modellierung basiert vorwiegend auf Elektrifizierung sowie ergänzend auf Biomasse und HVO100.

Hinweis zu unseren Annahmen und Prognosen

Wir verfolgen das Ziel, emissionsarme Technologien entlang aller relevanten Handlungsfelder einzusetzen und die Umstellung unserer Anlagen und Prozesse aktiv voranzutreiben. In einzelnen Bereichen, insbesondere bei Produktionsanlagen und Teilen des Maschinenparks, hängt die tatsächliche Umsetzung jedoch auch von der technologischen Weiterentwicklung, Marktreife, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit entsprechender Lösungen ab.
 
Der Zeitpunkt sowie das Ausmaß dieser Entwicklungen sind somit mit Unsicherheiten verbunden und können die tatsächliche Zielerreichung beeinflussen. Aus diesem Grund werden die zugrunde liegenden Daten und Rahmenbedingungen jährlich evaluiert um bei Bedarf die Zielpfade entsprechend anpassen zu können.

Projekte und Initiativen zur Reduktion unserer Scope 1- und 2-Emissionen

Im Rahmen konzernweiter Initiativen, Pilotprojekte und Machbarkeitsanalysen arbeitet STRABAG konsequent daran, die erforderlichen Transformationsmaßnahmen zur Erreichung unserer Klimaziele gezielt voranzutreiben. Neben der Elektrifizierung von Prozessen und Anlagen, wo dies zum Teil bereits technisch und wirtschaftlich möglich ist, sowie dem koordinierten Ausbau von Photovoltaikanlagen an unseren Standorten, erprobt STRABAG innovative Technologien und alternative Energieträger. Ziel ist es, erfolgreiche Lösungen schrittweise in konzernweite Standards und Prozesse zu überführen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Großbaumaschinenbereich, in dem neben elektrischen Antriebssystemen auch wasserstoffbasierte Systeme als potenzielle Alternativen untersucht und getestet werden. Darüber hinaus werden Produktionsanlagen laufend auf emissionsärmere Technologien umgestellt und kontinuierlich Effizienzmaßnahmen umgesetzt.
Dadurch konnten wir im Geschäftsjahr 2025, im Vergleich zu 2024, die Scope 1-Emissionen trotz höherer Leistung reduzieren.

Reduktion der Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Lieferkette (Scope 3)

Die Scope 3-Emissionen von STRABAG machen rund 90 Prozent des CO2e-Fußabdrucks der STRABAG SE aus. Wesentliche Beitrag dazu leisten insbesondere die eingekauften Baustoffe & Dienstleistungen sowie die Nutzungsphase der verkauften Produkte. Als verkaufte Produkte werden Bauwerke verstanden, die STRABAG als Generalunternehmer errichtet, beispielsweise Gebäude oder Infrastrukturbauwerke. Der Reduktionspfad unserer Scope 3-Emissionen zeigt daher, welche Reduktionspotenziale sich in den Handlungsfeldern Bauwerke und Baustoffe ergeben.

Unter Bauwerke fallen jene Emissionen, welche in der Nutzungsphase eines verkauften Produktes ausgestoßen werden. Zur Berechnung der Emissionen im Bereich Baustoffe wurden jene mit dem höchsten Beitrag zu den gesamten CO2e-Emissionen identifiziert. Diese stellen die wesentlichen Emissionstreiber dar und bieten die größten Potenziale zur Emissionsreduktion. Dazu zählen Beton, Zement, Stein und Kies, Asphalt, Stahl und Bitumen.

Maßnahmen zur Emissionsreduktion

Wir haben nicht in allen Projektphasen und Geschäftsmodellen denselben Entscheidungseinfluss auf unsere Scope 3-Emissionen, etwa im Vergleich von Eigen- und Fremdentwicklungen oder von Planungs- und Umsetzungsleistungen gegenüber reinen Generalunternehmerleistungen. Daher unterscheiden wir zwischen direkten und indirekten Maßnahmen zur Emissionsreduktion.

  • Direkte Maßnahmen: Energieeffiziente und kreislauffähige Bauwerke: Bei eigenen Projektentwicklungen strebt STRABAG anerkannte Gebäudestandards an. Auch bei Projekten für Dritte setzt sich STRABAG im Austausch mit Kund:innen für energieeffiziente und kreislauffähige Lösungen ein. Optimierte Planungs- und Bauprozesse sollen zudem den Materialeinsatz verringern.
    Einsatz emissionsarmer Baustoffe: STRABAG arbeitet daran, den Einsatz emissionsarmer, kreislauffähiger und nachwachsender Baustoffe zu erhöhen. Bei Fremdentwicklungen bringt STRABAG diese Lösungen in den Austausch mit Kund:innen ein. Optimierte Planungs- und Bauprozesse sollen außerdem den Materialeinsatz verringern.
  • Indirekte Maßnahmen: STRABAG arbeitet mit Kund:innen und Lieferant:innen zusammen, um die Nachfrage nach emissionsärmeren Lösungen zu stärken und die Transparenz in der Lieferkette zu verbessern. Dafür entwickeln wir die Datengrundlage zu Liefermengen und Umweltauswirkungen wichtiger Baustoffe weiter. Forschung, Wissenstransfer und Partnerschaften unterstützen zudem die Entwicklung kreislauffähiger Baustoffe, die Wiederverwendung von Bauteilen und neue Recyclingtechnologien.
     

Hinweis zu unseren Annahmen und Prognosen

Die Ermittlung der Ausgangsemissionen basiert auf Daten aus internen Berechnungstools und -methoden, die zugleich die Grundlage der jährlichen Berichterstattung bilden. Für ausgewählte Baustoffgruppen wurde diese Datengrundlage teilweise durch zusätzliche Datenquellen wie Beschaffungssysteme ergänzt, um Materialmengen und Emissionsbeiträge möglichst belastbar abzuleiten.

Bauwerke: Für die Reduktion von Emissionen im Bereich der Bauwerke wurde die EU-Richtlinie für die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden herangezogen. Es wurde die Annahme getroffen, dass das Inkrafttreten der EU-Richtlinie die Emissionen, die Gebäude in der Nutzungsphase verursachen, deutlich reduzieren wird. Die EU-Richtlinie schreibt vor, dass ab 2028 öffentliche Neubauten als Nullemissionsgebäude errichtet werden müssen, ab 2030 betrifft das alle neuen Gebäude. Ebenso sollen bestehende Gebäude schrittweise bis 2050 in Nullemissionsgebäude umgebaut werden. Diese EU-Richtlinie ist als passiver Hebel zu verstehen, der ohne weiteres Handeln von STRABAG oder den Auftraggebern beeinflusst wird.

Die Berechnung der Emissionsreduktion basiert auf Annahmen über die Umsetzung und Wirkung der EU-Richtlinie für die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden. Die tatsächliche Entwicklung der Emissionen hängt unter anderem von der konkreten Umsetzung regulatorischer Vorgaben, technologischen Entwicklungen und weiteren externen Faktoren ab. Solche Prognosen sind mit Unsicherheiten verbunden, die wir nicht beeinflussen können. Unsere Annahmen können sich als falsch erweisen. Dadurch können die tatsächlichen Ergebnisse und Entwicklungen positiv oder negativ von unseren Erwartungen abweichen.
 
Baustoffe & Leistungen: Zur Abschätzung möglicher zukünftiger Emissionsentwicklungen wurden die relevanten Baustoffe anhand von Emissionsklassen kategorisiert. Dabei wurden nach Möglichkeit bestehende Klassifizierungssysteme angewendet. Auf dieser Grundlage wurde rechnerisch ermittelt, welche Anteile der Baustoffmengen künftig aus emissionsärmeren Klassen stammen müssten, um definierte Emissionsminderungen zu erreichen.
 
Berücksichtigt wurden dabei zwei Reduktionshebel: die Verbesserung des Materialmixes durch den Einsatz emissionsärmerer Baustoffvarianten sowie die Steigerung der Materialeffizienz durch eine Verringerung des Materialeinsatzes bei gleicher Funktion. Die daraus resultierende Emissionsminderung wurde der erwarteten Mengenentwicklung gemäß Geschäftsplanung gegenübergestellt.
 
Die zugrunde liegenden Annahmen basieren auf Branchen-Roadmaps, Marktanalysen und Expertenschätzungen. Die Berechnung dient der Darstellung potenzieller Emissionspfade und stellt weder eine Prognose des tatsächlichen Beschaffungsverhaltens noch eine Umsetzungszusage dar. Da wesentliche Einflussfaktoren, insbesondere die Verfügbarkeit emissionsärmerer Baustoffe sowie Materialvorgaben durch Auftraggeber und Planung, nur begrenzt durch die STRABAG SE beeinflusst werden können, können die tatsächlichen Entwicklungen von den dargestellten Ergebnissen abweichen.

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